Gutachten zur Entlastung der Steiner Ortsdurchfahrt und der südwestlichen Stadtteile von Nürnberg

Zur Entlastung der Ortsdurchfahrt Stein und der südwestlichen Stadtteile von Nürnberg soll auf breiter Basis nach Entlastungsmöglichkeiten in einem größeren Verkehrsraum gesucht werden, um so das bestmöglichste Maßnahmenpaket zu ermitteln.

(v.l.) Steins Erster Bürgermeister Kurt Krömer, Landrat des Landkreises Fürth Matthias Dießl und der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly.

Die Stadt Nürnberg, die Stadt Stein und der Landkreis Fürth wollen eine sogenannte intermodale Machbarkeitsstudie beauftragen. Ausschlaggebend für die Initiative war die Aufnahme der Ortsumgehung Stein in den Bundesverkehrswegeplan. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten im Landratsamt in Zirndorf Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, Landrat Matthias Dießl und Steins Bürgermeister Kurt Krömer.

„Ziel ist eine verkehrsmittelübergreifende, gesamtwirtschaftliche Betrachtung vor dem Hintergrund eines optimalen Nutzens für alle Beteiligten”, fasste Landrat Matthias Dießl zusammen und freute sich, dass die Untersuchung nun in Auftrag gegeben werden kann. Dabei reichen die möglichen Maßnahmen, die untersucht werden, zum Beispiel von einer Ortsumgehung oder einer Pförtnerampel vor Stein bis zu einer U-Bahn Verlängerung von Nürnberg nach Stein oder einer Seilbahn. „Aufgabe ist dabei, die durch die derzeitige Verkehrsbelastung bestehende negative Situation der Anwohner in Nürnberg und Stein bestmöglich zu verbessern”, betonte der Landrat.

Wohnqualität soll verbessert werden

Auch Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly sieht dem intermodalen Verkehrsgutachten mit großem Interesse entgegen. „Dort werden erstmals unterschiedliche Verkehrsträger in ihrer volkswirtschaftlichen und verkehrlichen Wirkung verglichen. Das ist bislang nicht so: Wird eine Straße zum Bundesverkehrswegeplan angemeldet, werden allenfalls unterschiedliche Linienführungen betrachtet, nicht aber Alternativen wie die Schienenanbindung, und umgekehrt: wird ein Schienenprojekt zum GVFG angemeldet, wird nur deren volkswirtschaftlicher Nutzen-Kosten-Indikator berechnet, nicht aber Alternativen. Wenn es gut ausgeht, haben wir am Ende nicht nur eine richtige Lösung für Stein und Nürnberg, sondern auch ein neues Instrument für solche Korridoruntersuchungen“, so Ulrich Maly.

Steins Bürgermeister Kurt Krömer erwartet durch die Untersuchung konkrete Ergebnisse: „Mit dem Intermodalen Verkehrsgutachten erhoffe ich mir für Stein eine klare Aussage, mit welchen konkreten Maßnahmen wir das Verkehrsproblem durch Stein auf der B 14 wegbekommen. Gleichzeitig schaffen wir damit die Voraussetzungen, dass Bund und Land in die dann notwendigen Maßnahmen entsprechende Fördergelder fließen lassen und diese auch umgesetzt werden. Denn der wahrgenommene Verkehr, vor allem der LKW-Verkehr, wird immer intensiver und er verschlechtert die Wohnqualität in Stein deutlich.“

Eine Verlängerung der U-Bahn war bereits zweimal untersucht worden. Die Abschätzung der Förderfähigkeit führte 2015 und 2018 aber zu keinem positiven Ergebnis, weil der Nutzen-Kosten-Faktor zu gering war.

Gesamtwirtschaftlicher Vergleich von Lösungen

In einem intermodalen Verkehrsgutachten, sollen nun alle möglichen Verkehrsarten aus dem Bereich westlich von Stein durch die Stadt Stein zu den Zielen in Nürnberg vergleichend betrachtet werden.

Es soll ein Bewertungssystem aufgebaut werden, das nicht nur isoliert die unterschiedlichen Lösungen im ÖPNV anhand eines Kosten-Nutzen-Faktors bemisst, sondern alle möglichen Maßnahmen und Lösungen direkt gesamtwirtschaftlich vergleichbar macht. Auch sollen die sonst üblichen Bewertungs-Kriterien um zusätzliche Aspekte des „kommunalen Nutzens von öffentlicher Mobilität“ ergänzt werden. So sollen auch vermiedene Straßenbaukosten eine Rolle spielen.

Das Untersuchungsgebiet umfasst die Verkehrsräume der Städte Nürnberg, Fürth, Schwabach sowie der Städte und Marktgemeinden der Landkreise Fürth und Roth. Der Fokus liegt auf den Verkehren im Korridor der Bundesstraße B 14 und der S-Bahnlinie 4 zwischen den Städten Ansbach und Nürnberg.

Die finale Abstimmung der Ausschreibungsunterlagen war durch die für dieses Projekt gegründete Arbeitsgruppe erfolgt. Die Beteiligten gehen derzeit von Gesamtkosten in Höhe von 300.000 Euro aus.

Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr fördert erstmalig in Mittelfranken ein solches intermodales Verkehrsgutachten im Rahmen des bayerischen Maßnahmenpaketes zur Luftreinhaltung. Nach derzeitiger Schätzung handelt es sich um einen Förderbetrag in Höhe von rund 225.000 Euro. An den verbleibenden Kosten beteiligt sich der Zweckverband Verkehrsverbund Großraum Nürnberg mit einem Betrag von rund 11.250 Euro. Den Rest übernehmen die Stadt Nürnberg, die Stadt Stein und der Landkreis Fürth zu gleichen Teilen. Diese tragen demnach voraussichtlich jeweils rund 21.250 Euro - darin sind auch Personalkosten für einen Projektsteuerer enthalten.

Die Ausschreibung kann erfolgen, sobald ein Projektsteuerer gefunden ist. Die Erstellung des Gutachtens wird voraussichtlich zwei Jahre dauern. „Wir werden dann hoffentlich sehr konkret über wirksame Lösungen diskutieren und entscheiden können”, sagte Matthias Dießl.

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