Erlebnisweg Wallensteins Lager: Konzept kommt gut an

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass die Stadträte der drei Kommunen Zirndorf, Oberasbach und Stein anlässlich des Projekts "Erlebnisweg Wallensteins Lager" tagten. Seitdem ist viel passiert. Am 4. Juli kamen die drei Gremien nun erneut zusammen. Zur Debatte stand ein Feinkonzept, das die möglichen Stationen entlang des Rundweges aufzeigte.

In der Zirndorfer Paul-Metz-Halle tagten die drei Stadtratsgremien.

Um das damalige Wallenstein'sche Lager, eines der größten Militärlager der Geschichte, wieder erlebbar zu machen, sollen entlang des Weges verschiedene Stationen errichtet werden. Das Konzept geht zurück auf die Vision des Fördervereins für den "Regionalpark Pegnitz-Rednitz-Regnitz". Konzeptgeber und Landschaftsarchitekt Prof. Gerd Aufmkolk stellte damals gemeinsam mit Steins Erstem Bürgermeister Kurt Krömer die Verbindung zu den Bürgermeistern der beiden Nachbarkommunen her. 

Seit Sommer 2017 hat die Entwicklung rasant an Fahrt aufgenommen: Stadtratsbeschlüsse wurden gefasst, LEADER-Fördermittel beantragt und gewährt, es bildete sich ein Steuerungskreis unter der Projektleitung der Stadt Stein und es wurde ein Planungsbüro ausgewählt und beauftragt, um die weitere Projektplanung zu begleiten.

Am 4. Juli 2018 gingen die drei Kommunen den nächsten gemeinsamen Schritt: In der Zirndorfer Paul-Metz-Halle präsentierte das Planungsbüro Impuls-Design aus Erlangen den drei Stadtratsgremien sowie der Bürgermeisterin Birgit Huber (Oberasbach) und den Bürgermeistern Thomas Zwingel (Zirndorf) und Kurt Krömer (Stein) das erarbeitete Feinkonzept. Annette Hasselmann, Sven Klomp und Projektleiter Peter Neudert erläuterten die verschiedenen Elemente, die entlang des Weges entstehen könnten.

Bei dem Konzept handelt es sich um die Umsetzung der Maßnahmen, die der Steuerungskreis bereits im Vorfeld erarbeitet hat. Aus dem Steuerungskreis heraus hatte sich außerdem ein dreiköpfiges Kuratoren-Team, bestehend aus Christine Gottschalk (Leitung Städtisches Museum Zirndorf), Dr. Thomas Liebert (Kreisheimatpfleger) und Nicola Kemmer (Projektkoordination Stadt Stein), gebildet. Dieses Kuratoren-Team trug wesentliche historische Informationen rund um das Lager sowie den Dreißigjährigen Krieg zusammen und gliederte diese nach Themenschwerpunkten. Sie bilden die Grundlage für die verschiedenen medialen Stationen entlang des Erlebnisweges.

Analog und digital unterwegs

Infopunkte, einer in jeder der drei Städte, informieren zentral über das historische Ereignis, welches sich 1632 im Landkreis abspielte. Aussichtstürme – so die Vision des Planungsbüros - sollen die Dimension des damaligen Heerlagers veranschaulichen. In Zirndorf kann dafür die Alte Veste, Schauplatz des Aufeinandertreffens der gegnerischen Truppen, genutzt werden. In Oberasbach wäre das Dach des Rathauses als Aussichtspunkt denkbar und in Stein könnte möglicherweise in einigen Jahren ein solcher Turm neu entstehen. Mit einem sogenannten Viscope, einem intelligenten Fernrohr, ließen sich beim Durchsehen landschaftliche Elemente einblenden. Erlebnisstationen, an denen etwas gedreht, herausgezogen oder aufgeklappt werden kann, machen den Rundweg auch haptisch erfahrbar.

Eine App soll den Erlebnisweg medial erschließen. Hier können zum Beispiel auf dem Smartphone-Bildschirm Szenen in eine Landschaft hineinprojiziert werden. Kurze Audioguides begleiten vor allem die Teilstrecken, die das historische Lager optisch nicht mehr erahnen lassen. All diese virtuellen Elemente sollen erst dann aufgerufen werden können, wenn sich der Nutzer tatsächlich auf dem Erlebnisweg befindet. So werden – so der Plan – die Informationen zu den virtuellen Stationen nach und nach gesammelt und können sofort aktiviert oder auch zum späteren Ansehen oder Anhören abgespeichert werden können.

Wichtig sei jedoch auch der Blick auf den Erlebnisweg als Ganzes. Entlang des 16 Kilometer langen Rundweges um Zirndorf, Oberasbach und Stein herum, könnten neu gepflanzte Bäume ein sichtbares Zeichen in der Landschaft setzen. Diese Bäume sollen jene ersetzen, die im 17. Jahrhundert für die Errichtung des Wallenstein'schen Lagers gefällt wurden. Gleichzeitig sollen sie auch ein Symbol für Frieden und Zuversicht sein. Denn bei all der historischen Besonderheit und dem dazugewonnen Freizeitwert soll das Leid, welches das Lager einst über die Region brachte, nicht ausgeblendet werden. Die Konflikte innerhalb des Lagers und die Probleme, die es mit sich brachte, sollen in den Botschaften deutlich transportiert werden. Letztendlich ist eines der wesentlichen Ziele des Projekts, das Wissen über die Historie der Region zu erhalten und an spätere Generationen weiterzugeben.

Insgesamt wird der Erlebnisweg Wallensteins Lager so ausgelegt sein, dass die 16 Kilometer lange Wegstrecke auf mehreren Etappen abgelaufen werden kann. Jeder der drei geplanten Themenwege wird, basierend auf den historischen Fakten, eigene Schwerpunkte haben. So befanden sich auf heutigem Zirndorfer Gebiet  zu damaliger Zeit neben den lagerumschließenden Schanzen die Bayerische Reiterei und, noch heute sichtbar, die Alte Veste. Auf Oberasbacher Gebiet war zur Zeit Wallensteins unter anderem der Munitionsplatz sowie auch der Richtplatz. Südlich davon – angrenzend an das heutige Stein - waren neben dem Quartier Wallensteins ein Spital und Pferdestallungen untergebracht. Die Stationen auf den drei Themenwegen werden auf den jeweiligen Hintergründen aufbauen und das erlebbar machen, was an den Orten um das Jahr 1632 tatsächlich geschehen ist.

Einhelliges Stimmungsbild in den Gremien

Im Anschluss an die Präsentation waren die Stadträte dazu eingeladen, ihre Fragen Wünsche und Anregungen vorzubringen. Es kam ein konstruktives Gespräch in Gang, das die Konzept-Idee von Impuls-Design grundsätzlich befürwortete und an manchen Stellen weitere Vorschläge in den Raum warf. Mehrere Stadträte betonten, dass ihnen vor allem das Erleben des Weges durch eigene Interaktionen wichtig ist, vor allem mit Blick auf Kinder und Jugendliche.     
Auch das Thema "einfache Sprache" wurde in diesem Zusammenhang angesprochen. Dadurch sollen die schriftlichen Informationen an den Stationen für möglichst alle Zielgruppen leicht verständlich sein. Hinterfragt wurde auch das Wegekonzept für den zukünftigen Erlebnisweg, also woher die Wege für den Rundweg stammen und ob diese neu angelegt werden müssen. Das Wegekonzept wird in die Hand eines anderes Planungsbüros gegeben, das den möglichen Trassenverlauf erarbeiten wird. "Es gibt bereits einen Wanderweg 'Auf Wallensteins Spuren' sowie Routen des fränkischen Albvereins, die wir in die Planung einfließen lassen werden. Eine Mischung aus bereits bestehenden und neu integrierten Wegen wird am Ende den Streckenverlauf für den Erlebnisweg bilden", erklärte Koordinatorin Nicola Kemmer von der Stadt Stein.

Die bisher veranschlagten Gemeinkosten für das interkommunale Projekt belaufen sich auf rund 325.000 Euro, wobei mit einer Leader-Förderung von bis zu 200.000 Euro zu rechnen ist. Die verbleibenden Gemeinkosten werden nach Einwohnerzahl zwischen den drei Kommunen aufgeteilt und auf drei Jahre angelegt. Hinzu kommen kommunalspezifische Kosten, die bislang bei rund 78.000 Euro pro Kommune liegen. Zusammengenommen liegen die Gesamtkosten für das Projekt nach Abzug der Leader-Förderung bei rund 360.000 Euro. Diese Aufstellung beinhaltet ein vom Planungsbüro zusammengestelltes "Paket" aus den präsentierten Informations-Stelen, Mitmach-Stationen und weiteren wiederkehrenden Elementen entlang des Weges. Wie viele dieser Stationen auf dem jeweiligen Stadtgebiet errichtet werden und damit die letztendlich entstehenden Kosten dafür beschließt jedes Stadtratsgremium selbst.

Nun müssen diese über das vorgelegte Konzept entscheiden, damit weitere Anträge für Fördermittel aus dem LEADER-Topf beantragt werden können. Landrat und Vorsitzender des LEADER-Vereins Matthias Dießl, der ebenfalls an der Sitzung teilnahm, motivierte die Gremien dazu, zügig die notwendigen Beschlüsse zu fassen, um zeitnah weitere Fördergelder zu erschließen. Zum Abschluss der interkommunalen Sitzung gaben die Stadträte mit Handzeichen ein spontanes Stimmungsbild ab. Dieses zeigte deutlich, dass eine klare Mehrheit von der Konzeptidee überzeugt ist. Gegenstimmen gab es zu diesem Zeitpunkt keine.

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