Stein kommt ins Rollen - 1. Bürgerforum "Radverkehr in Stein" geglückt

Bessere Bedingungen für den Radverkehr in Stein - was abstrakt klingt, soll durch die Bürgerbeteiligung nun konkret werden.

  • Auf dem Rad durch Stein

"Dass wir nicht perfekt sind, wissen wir. Sonst wären wir heute nicht hier, um über Verbesserungen zu sprechen", betonte Erster Bürgermeister gleich zu Beginn des Bürgerforums am 29. November im Sitzungssaal des Steiner Rathauses. Das Stadtbauamt hat es sich zum Ziel gesetzt, ein neues Radverkehrskonzept für Stein zu entwickeln. Zusammen mit dem Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen erörtert die Stadtverwaltung, welche Hebel in Bewegung gesetzt werden müssen, um die Situation sowohl für Radfahrer als auch für alle anderen Verkehrsteilnehmer angenehmer zu gestalten. Ein projektbegleitender Arbeitskreis, der sich aus Vertretern verschiedenster Einrichtungen, unter anderem vom ADFC, der Polizei und dem Landkreis Fürth zusammensetzt, ließ bereits erste Erkenntnisse durchblicken. Doch letztendlich sind es die Radfahrerinnen und Radfahrer, die täglich auf den Straßen und Radwegen unterwegs sind, die am besten wissen, wo es besonders gefährlich werden kann oder wo schlichtweg ein Radweg fehlt. 

Radfahrer fühlen sich oft ausgeliefert

"Es gilt, die Konfliktpunkte im Stadtgebiet auszumerzen", so Dr. Kaulen in seiner einführenden Präsentation. Diese sogenannten Konfliktpunkte sind alle jene Bereiche, an denen das Risiko für Unfälle wegen schlechter Sicht oder unklarer Radwegführung besonders hoch ist. Einer dieser Punkte, da waren sich die rund 30 anwesenden Bürgerinnen und Bürger einig, ist der Bereich der Rednitzbrücke am Ortseingang von Stein. "Viel zu eng, um als Radfahrer sicher von einem Auto überholt werden zu können" sei es an der Engstelle, schildert ein Bürger, der täglich mit dem Rad zur Arbeit pendelt. Ebenso unangenehm sei die Bushaltestelle "Stein Kirche", bei der Radfahrer auf dem Kopfsteinpflaster geführt werden. Hier jedoch konnte Bürgermeister Krömer schnell besänftigen: "Diese Bucht für Busse und damit auch der Radweg werden im kommenden Jahr erneuert. Die Pflastersteine werden entfernt und der Bereich wir neu geteert", erklärte Krömer, der damit auf Erleichterung bei den Radfahrern stieß.

Auch die Diskussion über Radfahr- oder sogenannte Schutzstreifen stieß auf eine klare Haltung bei den Radfahrern. Während ein Radfahrstreifen durch eine durchgezogene Linie klar vom Rest der Fahrbahn getrennt wird, ist ein Schutzstreifen lediglich durch eine dünne, unterbrochene Linie gekennzeichnet. Autos dürfen auf Schutzstreifen zwar auch nicht parken, aber sie in Ausnahmen befahren, zum Beispiel wenn zwei Busse aneinander vorbeifahren und die Fahrbahn zu eng ist. "Morgens stehen auf den Schutzstreifen Transporter von Paketdiensten und Lkw, die Supermärkte beliefern, da ist kein sicheres Durchkommen und man muss ständig auf die Straße ausweichen", ärgerte sich ein Bürger. Außerdem gehöre zum Befahren der Schutzstreifen oftmals "komplette Angstfreiheit",  wenn man sich so manchen schmalen Schutzstreifen zwischen zwei Auto-Fahrbahnen ansehe, so der Radfahrer.

Radfahrer wurden zu Stadtplanern

Nach einer langen Diskussion über die Knackpunkte in der Stadt Stein und darüber, was die Radfahrer als Lösung eher ablehnen, ging es schließlich zum konstruktiven Teil: Die Radverkehrsbeauftragte der Stadt Stein, Francesca Fall, hatte verschiedene Stadtpläne ausgehängt. Darin konnten und sollten die Teilnehmer des Bürgerforums Markierungen setzen. Wo braucht es dringend eine Abstellmöglichkeit fürs Rad oder wo wäre eine Ladestation für E-Bikes und Pedelecs sinnvoll? Zusätzlich galt es, die bestehende erste Planung zu bewerten - sind die Hauptrouten für Radfahrer korrekt und wo muss ein zusätzlicher Radweg hin?

Am Ende waren die Stadtpläne und Plakate zum Anregungen notieren gut gefüllt und das Bürgerforum wurde durchweg als "gute Idee" und "erster Schritt" bewertet. Die vielen Anregungen, Wünsche und Kritikpunkte werden die nächsten Entwürfe maßgeblich beeinflussen. Voraussichtlich im Oktober 2018 wird dann das 2. Bürgerforum "Radverkehr in Stein" stattfinden, bei dem noch über Feinheiten und Details des neuen Radverkehrskonzepts für Stein debattiert werden kann.

Dem Vorschlag auf eine zentrale Mail-Adresse für Fahrradangelegenheiten kam die Stadt Stein nach: Ab sofort können alle Nachrichten, die den Radverkehr in Stein betreffen, an radverkehr(at)stadt-stein.de geschickt werden.

  • Mit Stiften und Klebezetteln markierten die Teilnehmer, wo sie Handlungsbedarf sehen und was sich ändern soll. Dafür hingen große Stadtpläne aus, auf denen genug Platz für alle Vorschläge war.
  • Rund 30 Bürgerinnen und Bürger sowie einige Stadträte nahmen am Bürgerforum teil. Eine gute Bilanz für die Auftaktveranstaltung.
  • Dr. Ralf Kaulen (vorne links) vom Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen und sein Mitarbeiter Hr. Herzog (vorne rechts) zeigen in einer Präsentation mögliche Lösungen auf und erklären die unterschiedlichen Radwege und Vorgaben.
  • Es wurde viel diskutiert und über Lösungen debattiert. Die Kritikpunkte waren vielfältig, die Lösungsvorschläge ebenso.
  • Herausgekommen sind zahlreiche Vorschläge seitens der Radfahrerinnen und Radfahrer.
  • Die Anregungen und Wünsche werden in die Entwürfe für das neue Radverkehrskonzept für Stein einfließen.
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