Kulturhaus erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Nach einem herben Rückschlag im Oktober 2015 wurde das denkmalgeschützte Wohnstallhaus aus dem 18. Jahrhundert nun fertiggestellt. Dieses freudige Ereignis wurde mit einer Feier bei dem Bauernhaus in Unterweihersbuch zelebriert. Schon bald werden in den historischen Mauern drei Einrichtungen des Bezirks Mittelfranken ihren Platz finden.

Nach dem verheerenden Brand am 2. Oktober 2015 war klar: Eine Sanierung des alten Bauernhauses aus dem späten 18. Jahrhundert würde nicht ausreichen, um das Gebäude zu erhalten. Es muss zu großen Teilen rekonstruiert werden. Das Feuer wurde damals durch einen Defekt bei der thermischen Beheizung zur Schädlingsbekämpfung ausgelöst. Nun, die Schädlinge wurden dabei "zu 400 Prozent beseitigt", scherzte Bürgermeister Kurt Krömer bei der Feier am 16. Mai.

Der Bezirk Mittelfranken hielt trotz des herben Rückschlags an seinem Vorhaben fest, drei Einrichtungen in dem denkmalgeschützten Gebäude unterzubringen. "Der Bezirk hat sich seine Planungen natürlich anders vorgestellt. Aber in den Gesprächen fand ich Verständnis für diese traurige Situation und wir verständigten uns auf einen neuen Zeitplan", erzählte Kurt Krömer.

Im April 2016 begannen die Aufbauarbeiten erneut. Die Dauer der Baumaßnahmen wurden durch das Vertrauen, das der Stadtverwaltung entgegengebracht wurde, wesentlich beschleunigt. Dafür galt Krömers besonderer Dank dem Stadtrat.

"Insgesamt lief alles wie am Schnürchen", so Krömer. Das ist auch unseren beiden Mitarbeitern Wilhelm Oheimer und Daniel Matzke sowie nicht zuletzt dem Gesamtverantwortlichen, dem Leiter des Stadtbauamtes, Wolfgang Schaffrien zu verdanken."

Kulturhaus ist eine Teamleistung

Auch den vielen weiteren Beteiligten sprach der Erste Bürgermeister seinen großen Dank aus: Die Grundlage der Denkmalschutzsanierung schaffte der Fachplaner Holger Schatz mit seinen umfangreichen Dokumentationen. Bei den Verhandlungen mit der Brandversicherung arbeitetet der Kommunalbetrieb Stein intensiv mit. Außerdem soll auch der Einsatz der Steiner Feuerwehren am 2. Oktober 2015 nicht vergessen bleiben. "Dank Ihrem Einsatz wurde kein weiteres Gebäude in der Nachbarschaft in Mitleidenschaft gezogen", bedankte sich Krömer bei dem federführenden Kommandant Werner Mücke. Stellvertretend für die vielen beteiligten Firmen aus der Region, galt auch der Steiner Zimmerei Ott großer Dank.

Nicht unerwähnt sollten auch die Nachbarn bleiben: "Sie haben in den letzten Monaten die Sanierungsarbeiten über sich ergehen lassen. Herzlichen Dank für Ihr Verständnis und schön, dass Sie unserer Einladung zu dieser Feier gefolgt sind", so Krömer.

Begleitet wurde das Projekt von Architekt Hermann Keim, der auf die vielen Herausforderungen zurückblickte. "Die Zusammenarbeit der vielen beteiligten Firmen war mehr als gut und gemeinsam haben wir das alte Bauernhaus wieder zum Leben erweckt", so Keim.

Landrat Matthias Dießl gratulierte der Stadt Stein zum Abschluss der Baumaßnahmen und wünschte ihr sowie dem Bezirk, "dass wir dieses bemerkenswerte Gebäude noch viele weitere Jahrzehnte oder vielleicht sogar Jahrhunderte bewundern dürfen".

Neubau-Elemente treffen auf das 18. Jahrhundert

Trotz des Brandes konnte der Kostenrahmen von 1,45 Mio. Euro gehalten werden, die Brandschutzversicherung deckte viele Kosten. 165.000 Euro wurden mit Mitteln der Leader-Förderung finanziert. Abzuwarten bleibt eine mögliche Förderung aus dem Entschädigungsfonds des Freistaates.

Das Herzstück des Wohnstallhauses, die "Gute Stube" neben den Kappengewölben, wurde bei dem Brand kaum in Mitleidenschaft gezogen. Restauratoren trugen dort einzelne Farbschichten mit kleinen Messern ab, Die einzelnen Elemente wurden dabei mit Akribie und Ruhe freigelegt, sodass sie heute wieder eindrucksvoll die originale Wand aus dem 18. Jahrhundert zeigt.

Für das Kappengewölbe musste eine Lösung gefunden werden: Beim Brand wurden zwei der fünf Gewölbe beschädigt und fielen ein. Eine dritte stürzte bei der Wiederherstellung ein, denn die Tragschicht erwies sich doch dünner als gedacht. Die fränkischen Kappen wurden nachempfunden und geben dem Raum so einen ganz speziellen Charme.

Mit viel Fingerspitzengefühl wurden die beiden Giebelfronten wieder aufgebaut und der marode Sandstein wieder tragfähig gemacht. Der neue Dachstuhl wurde dem alten nachempfunden und sorgt für weitere Nutzfläche, jedoch soll er ganz bewusst dokumentieren, dass es sich um einen Neubau handelt. Insgesamt stehen dem Bezirk Mittelfranken 410 Quadratmeter für seine drei Einrichtungen zur Verfügung. In das Kulturhaus einziehen werden die Trachtenforschungs- und Beratungsstelle, das Büro des Musikfestivals Fränkischer Sommer und das Büro des Popularmusikberaters.

Erinnerung an den Brand bleibt

Doch auch das Feuer im Oktober 2015 gehört nun zur Geschichte des Hauses und soll daher nicht vergessen werden. Als Erinnerung an den Brand bliebt die Holztreppe vom Erdgeschoss hinauf in das erste Obergeschoss schwarz - gezeichnet vom Brand. Deutlich lässt sich an ihr erkennen, wie die Flammen einst in den Gemäuern wüteten.

Ein beeindruckender Lebensweg liegt bereits hinter dem alten Bauernhaus in Unterweihersbuch. Einst ein ansehnliches Wohnstallhaus, das nach und nach zerfiel. Vom Brand gezeichnet und zur Ruine verkommen, ist es mit viel Mühe, Sachverstand und Herzblut wieder zu einem Prachtstück erblüht. Ein Stück mittelfränkische Geschichte ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht.

 

In der folgenden Fotostrecke geben wir Ihnen auch Rückblicke in die Zeit während der Umbaumaßnahmen. Vorher-Nachher-Vergleiche zeigen deutlich, was die Projektbeteiligten geleistet haben, um das Kulturhaus in ein Schmuckstück zu verwandeln.

  • Gute Stimmung bei der Feier zur Fetigstellung: Bürgermeister Kurt Krömer, Landrat Matthias Dießl und Architekt Hermann Keim ließen die Herausforderungen Revue passieren - mit Humor.
  • Zahlreiche Gäste waren ganz gespannt, was sich in der einstigen Brandruine in den letzten 14 Monaten getan hat.
  • Im Haus treffen moderne Ideen auf Architektur des 18. Jahrhunderts.
  • Nicht mehr wiederzuerkennen ist auch die Fassade des ehemaligen Wohnstallhauses.
  • Das neue Dach und die richtige Farbe lassen das hostorische Gebäue in neuem Glanz erstrahlen.
  • Der alte Kamin mit einem neuen Element: Indirektes Licht über ein Glaspanel mit einer Szene von Max und Moritz.
  • Die Zeichen des verheerenden Feuers an der Holztreppe erinnern auch in Zukunft an den herben Rückschlag.
  • Das Dachgeschoss im Oktober 2016.
  • Das Dachgeschoss heute.
  • Das Dachgeschoss im Oktober 2016.
  • Das Dachgeschoss heute.
  • Die Tür in der "Guten Stube" im Oktober 2016.
  • Die Tür in der "Guten Stube" heute.
  • Das Türschloss in der "Guten Stube" im Oktober 2016.
  • Das Türschloss in der "Guten Stube" heute.
  • Dieses Projekt wurde im Rahmen des LEADER-Programms gefördert. Mit dem LEADER-Programm unterstützt das Staatsministerium die ländlichen Regionen auf ihrem Weg einer selbstbestimmten Entwicklung – ganz nach dem Motto "Bürger gestalten ihre Heimat".
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