Aufforstung in Gutzberg: Mehr Vielfalt für den Wald

Wo alte Kiefern weichen mussten, entsteht bereits ein neuer Mischwald. Über 50 Jahre alte Bäume konnten der Trockenheit nicht mehr standhalten. Die 3400 neu gepflanzten Rotbuchen sind wesentlich anpassungsfähiger. Gut, vor allem mit Blick auf die bevorstehenden Klimaveränderungen.

Moritz Bergen vom StMELF, Erster Bürgermeister Kurt Krömer und Leiter des Stadtbauamtes Wolfgang Schaffrien (v.l.) sind davon überzeugt, dass die jungen Pflanzen zu einem widerstandsfähigen Mischwald heranwachsen

Etwa ein halber Hektar des städtischen Waldgrundstücks am Gutzberger Schmiedbauernfeld wurden umgebaut. Dazu kam ein weiterer halber Hektar eines angrenzendes Privatwaldes. Zuvor standen dort Kiefern, für die kaum noch Zukunftschancen bestanden. Das Problem: Der Wald hat stark unter der Trockenheit in den Jahren 2015 und 2016 gelitten. Hinzu kam eine Pilzerkrankung, das Diplodia-Triebsterben, weshalb die Baumspitzen bereits braun gefärbt waren. Zu allem Unheil besiedelten Misteln die beanspruchten Bäume und entzogen ihren Wirten zusätzlich Feuchtigkeit. Die Prognose für die Kiefern ließ kaum noch Chancen für gesundes Wachstum vermuten.

Weg von der Monokultur

"Mit diesem jungen Mischwald haben wir uns entschieden, einen Gegenpol zu den teilweise starken Monokulturen aus Kieferbäumen zu setzen. Dafür mussten kranke Bäume gefällt werden, doch dieser Schritt war notwendig, um den Wald zu erhalten", erklärte Kurt Krömer. "Stein ist ja von Waldsäumen umgeben und damit das auch so bleibt, haben wir hier mit der Unterstützung des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einen zukunftsweisenden Akzent setzen können", so Erster Bürgermeister Kurt Krömer.

Gemeinsam haben Forstrevierleiter Klaus John vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth, Förster Moritz Bergen vom Staatsministerium und das Stadtbauamt Stein die Aufforstung auf den Weg gebracht. "Für die Rotbuche haben wir uns entschieden, weil sie die besten Zukunftsprognose hat", erklärte Moritz Bergen. Eine Untersuchung zeigt: Bei einem zu erwartenden Temperaturanstieg von durchschnittlich 2 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 besteht für die Kiefer ein sehr hohes Risiko, für die Buche hingegen sowohl heute als auch in gut 80 Jahren ein sehr geringes Risiko. "Bei dem angenommenen Temperaturanstieg leben wir bereits in einem Weinanbauklima. Darauf müssen wir reagieren und eine neue Generation von zukunftsfähigen Bäumen aufziehen", so Förster Klaus John. Jedoch müsse man sich kontinuierlich mit der Thematik befassen, denn was der Klimawandel mit sich bringt, ist und bleibt ungewiss.

Mit einem Bohrstock hatte Klaus John Boden proben entnommen und analysiert, welche Baumarten sich auf diesem Gebiet besonders wohl fühlen werden. Auch einige Kirschbäume und Eichen haben ihren Platz auf dem Waldstück gefunden. "Wir wollen weder schwarz, noch weiß. Das Ziel ist ein klimatoleranter Mischwald, weg von der Monokultur mit der Kiefer als führende Baumart", so Bergen.

Zukunftspläne für Stärkung des Waldes

Man müsse sich bewusst machen, dass die Natur durch den Klimawandel nicht stirbt, erklärte Klaus John. Vielmehr brauche es einen Lernprozess, welcher zu neuen Lösungen führt und letztendlich für mehr Vielfalt in den heimischen Wälder sorgt. "Genau dafür brauchen wir Vorbilder. Waldbesitzer lassen sich gerne von funktionierenden Lösungen überzeugen. Doch dafür brauchen wir Vorreiter, so wie in diesem Fall die Stadt Stein", lobte Moritz Bergen. Und auch wenn Maschinen in Wäldern gelegentlich für Entsetzen bei Bürgerinnen und Bürgern sorgen: Oftmals sind sie notwendig, um den Wald gesund zu halten.

Möglich wurde dieses Projekt durch die Unterstützung des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Im Rahmen des LEADER-Programms wurde die Aufforstungsmaßnahme gefördert, so dass für die Stadt Stein Kosten von lediglich rund 2700 Euro anfielen. Für die erste Zeit muss das Areal eingezäunt bleiben, um die jungen Pflanzen vor dem Verbiss durch Wildtiere zu schützen. Sobald die Bäume kräftig genug sind, wird der Zaun entfernt.

Auch für die Zukunft gibt es bereits Pläne: Ein Gebiet südlich der B14 und auch  ein Waldstück hinter der Schule am Neuwerker Weg muss umgebaut werden, um weiter bestehen zu können. "Wenn wir jedes Jahr eine andere Fläche in Angriff nehmen, können wir kontinuierlich den Waldbestand verbessern und es ist finanziell abzubilden. Ich sehe es als eine notwendige Investition in Natur, Mensch und Zukunft", so Kurt Krömer.

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